*reden wir uns zumindest ein

O du fröhliche, o du selige, oft so stressige Vorweihnachtszeit!

Wir haben uns gefragt, ob sich unser Prozess des Requirements Engineerings eigentlich auch auf das gemeinsame Plätzchenbacken in der Vorweihnachtszeit übertragen ließe – und ob es dadurch entspannter werden würde. Finden wir es heraus!

1. Anforderungserhebung

Ziel:  Herausfinden, welche Plätzchenarten und Eigenschaften gewünscht werden. Beispielsweise in Form einer Umfrage bei Familie und Freunden:

„Welche Plätzchen mögt ihr? Butterplätzchen, Vanillekipferl, Lebkuchen?“

„Wie viele Plätzchen brauchen wir? 50? 100? Eine apokalyptische Menge von 300 Stück?“

„Gibt es Allergien, Diäten oder TikTok-Trends, die wir beachten müssen?“

„Und was ist mit Omas traditionellen Geheimrezepten – wehe, die fehlen!“

 

Ergebnis: Eine Liste von konkreten Wünschen und Erwartungen, z. B.:

  • Butterplätzchen, Vanillekipferl und Lebkuchen
  • ca. 100 Plätzchen
  • vegane Optionen

2. Anforderungsanalyse

Ziel: Strukturieren und Priorisieren der Anforderungen, sowie Prüfen auf Machbarkeit

Die knallharte Realität:

„Können wir mit nur zwei Backblechen und einem Ofen überhaupt so viele Sorten backen, ohne bis Silvester in der Küche zu stehen?“

Prioritäten setzen: 

Butterplätzchen und Vanillekipferl sind ein Muss. Lebkuchen? Nice-to-have.

Check der Ressourcen: 

Haben wir genug Mehl? Ist das Zucker oder Salz? Und wohin ist der Rühraufsatz für die Küchenmaschine verschwunden?

Wer hilft mit? Freiwillige vor! Der ambitionierte Hobbybäcker übernimmt den Teig, die Präzisionsfanatiker dürfen ausstechen, und die kreativen Köpfe – ob groß, ob klein – sorgen mit Streuseln und Zuckerguss für die individuelle Note. Und währenddessen hält jemand mit Glühwein oder heißem Kakao die Stimmung auf einem konstant weihnachtlichen Level.

Hier gehört auch noch die Analyse von Risikofaktoren dazu. Wie gehen wir mir einem Rückstau beim Dekorieren der Plätzchen um? Wie wahrscheinlich ist es, dass der Weihnachtsbaum während des Backens Feuer fängt? Nascht sich jemand nachts durch die Plätzchendosen? 

Ergebnis: Klar definierte Anforderungen:

  • Backen von Butterplätzchen und Vanillekipferl
  • Herstellung von ca. 80 Plätzchen
  • Ein Drittel der Plätzchen soll vegan sein

3. Anforderungsspezifikation

Ziel: Detaillierte Dokumentation der Anforderungen

Notwendige Zutaten und Utensilien identifizieren, Einkaufsliste erstellen, Rezepte heraussuchen

Prozess definieren:

  1. Teig herstellen (Finger weg vom Rohteig)
  2. Teig kühlen – das nervige, aber notwendige Warten
  3. Formen: Hier kommen 10.000 verschiedene Ausstecher ins Spiel
  4. Backen: Timing ist alles – „goldbraun“ ist keine verhandelbare Vorgabe
  5. Dekorieren: Liebevoll, aber bitte keine Schokoglasur-Katastrophen

Nicht-funktionale Anforderungen:

  • Plätzchen sollen knusprig und goldbraun sein
  • Fertigstellung spätestens 24. Dezember

Unsere Rezeptempfehlung:

Keksteig

500 g Mehl - 250 g sehr weiche Butter - 250 g Zucker - 2 Eier - 1 Prise Salz - Vanilleextrakt

  1. Backofen auf 170 °C Umluft (190 °C Ober-/Unterhitze) vorheizen.
  2. Alle Zutaten zu einem gleichmäßigen Teig verkneten.
  3. Teig 30-60 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen.
  4. Auf bemehlter Fläche ausrollen und weiterverarbeiten.
  5. Plätzchen 8-10 Minuten backen, bis sie am Rand bräunen. Sie sind noch weich, härten aber beim Abkühlen. Nicht zu lange backen!

4. Anforderungsvalidierung

Ziel: Sicherstellen, dass die Anforderungen korrekt und vollständig sind

„Fehlt jemandem eine Lieblingssorte?“

„Sind 80 Plätzchen wirklich genug?“

 

Prototyping:

Probe-Backen einer kleinen Menge, um das Rezept zu testen

Wir nutzen diesen Schritt meist nur, wenn es ein Risiko abmindert. Durch den agilen Prozess wird bei Problemen von Sprint zu Sprint bewertet und nachjustiert. Das heißt: Das erste Blech ist etwas zu braun geworden? Dann lassen wir die Plätzchen beim nächsten 1 Minute kürzer drin. 

Feedback:

„Die Butterplätzchen sind perfekt!“

„Vielleicht ein paar mehr Vanillekipferl, die gehen immer schnell weg.“

„Die Lebkuchen könnten etwas weniger wie Ziegelsteine sein…“

„Der dort ist hässlich, den esse ich schon mal.“

5. Anforderungsmanagement

Ziel: Änderungen während des Prozesses berücksichtigen und dokumentieren.

Änderung: Tante meldet sich überraschend und bringt ihr Lebkuchen-Rezept mit = neue Anforderung!

Priorisierung: Lebkuchen werden hinzugefügt, aber nur eine kleine Menge (ca. 20 Stück)

Nachverfolgung: Einkäufe und Backplan anpassen

Abschluss:

Das Ergebnis des Requirements Engineering ist ein zufriedenstellendes Sortiment an Plätzchen, das den Bedürfnissen aller Stakeholder entspricht.

Grüße aus Cluj-Napoca

Cozonac - traditionelles rumänisches Gebäck

Natürlich ist es einfacher, altbekannte Klassiker wie Butterplätzchen und Vanillekipferl zu backen – da sitzt schließlich jeder Handgriff. Aber genau hier könnte das Requirements Engineering mal ganz neue Möglichkeiten eröffnen: Wie wäre es, den Prozess auf ein traditionelles rumänisches Rezept wie Cozonac anzuwenden? Dieses süße Hefegebäck, wie es an unserem Standort in Cluj dieser Tage oft gebacken wird, gefüllt mit Nüssen, Kakao oder Trockenfrüchten, ist ein echtes Highlight und eine tolle Herausforderung für alle, die noch Nerven dafür haben, etwas Neues auszuprobieren.

Unsere Tipps

Teig nach dem Kneten zwischen Backpapier ausrollen – die Kühlzeit verkürzt sich und das Bemehlen der Arbeitsfläche wird überflüssig.
Wenn es mal ganz  schnell gehen muss,  dann kann man die Streusel auch mitbacken.
Die Butter fast flüssig  mit Mehl und Zucker vermischen – und der  Teig klebt nicht!

Wir haben uns wirklich bemüht, mit klarem Prozessdenken die Weihnachtsbäckerei zu revolutionieren – mit durchwachsenem Erfolg. Aber eins steht fest: Am Ende zählen vor allem die entstandenen Leckereien und die gemeinsame Zeit.

In diesem Sinne wünschen wir eine entspannte und fröhliche Weihnachtszeit!